Vater werden trotz Chemotherapie
OP-Technik erfüllt unfruchtbaren Männern Kinderwunsch
Eine spezielle Operationsmethode ermöglicht es Männern, die aufgrund einer Chemotherapie unfruchtbar sind, doch Väter zu werden. Chirurgen können im Hoden einzelne Gewebebereiche identifizieren, die noch funktionstüchtige Spermien produzieren. Diese entnehmen sie und befruchten damit künstlich eine Eizelle. Das ist ein Schritt nach vorn, denn bisher nahmen Mediziner an, dass ehemalige Krebspatienten keine gesunden Spermien mehr bilden.
Spermiensuche leicht gemacht
An einer Studie des Weill Cornell Medical College nahmen 73 Männer teil, die als Kinder an Krebs erkrankt und mit Chemotherapeutika behandelt worden waren. Diese Medikamente zerstören Zellen, die sich schnell vermehren. Neben Tumorzellen zählen dazu auch die Keimdrüsen – sie produzieren die Spermien. Wenn Chemotherapeutika diese Zellen schädigen, sind Männer danach häufig unfruchtbar. Das bedeutet: Ihre Samenflüssigkeit enthält zu wenige oder keine beweglichen Spermien, die für eine natürliche Befruchtung notwendig wären. In diesem Fall spricht der Arzt von Azoospermie.
Testikuläre Spermienextraktion (TESE) heißt die mikrochirurgische Methode, mit der die Ärzte Hodengewebe mit lebensfähigen Spermien finden und entnehmen. Mit einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) schleusen sie dann diese Spermien in Eizellen ein. Bei der Hälfte der Männer konnten die Forscher lebensfähige Samenzellen gewinnen. Ein Viertel der Teilnehmer durfte sich über Nachwuchs freuen. 20 Kinder kamen dank der TESE-Technik auf die Welt, darunter fünf Zwillinge.
Die Krebsart ist entscheidend
Wie lange die Krebsbehandlung des Mannes zurück lag, hatte keinen Einfluss darauf, ob die Forscher noch spermienproduzierendes Hodengewebe entdeckten. Ausschlaggebend war vielmehr die Art des Krebses. Bei den Teilnehmern, die als Kind oder Jugendlicher Hodenkrebs hatten, fanden die Ärzte am häufigsten lebensfähige Spermien. Weniger fündig wurden sie bei Männern, die in ihrer Jugend an Leukämie erkrankt waren, und bei solchen, die ein Hodgkin- oder Non-Hodgkin-Lymphom gehabt hatten. Am geringsten war die Ausbeute bei Teilnehmern, die wegen eines bösartigen Tumors im Muskel- oder Bindegewebe eine Chemotherapie bekommen hatten.
- Links:
- Die Studie steht online im "Journal of Clinical Oncology".
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